Once Upon a Time in the West

" A journey is best measured in friends, rather than miles. " 

- Tim Cahill

(Anmerkung: der Titel des Blogeintrags bezieht sich auf den englischen Titel des Films "Spiel mir das Lied vom Tod", einer von vielen Filmen die (unter anderem) im Monument Valley gedreht wurden)

 

 

Diesmal möchte ich mich schon im Voraus für den langen Text entschuldigen, es hat ja nun auch eine Weile gedauert bis ich diesen nächsten Eintrag ins Netz stellen konnte. Deshalb gibt es diesmal gleich vorweg Kaffee & Kuchen (wieso erfahrt ihr dann im Text), damit ihr es euch beim Lesen gemütlich machen könnt. Danke an alle, die hier immer fleissig mitlesen, auch wenn sie es nicht kommentieren. Ich schätze es trotzdem :-)


Am nächsten Morgen mache ich mich also wieder auf den Weg, nachdem ich ausfindig gemacht hatte, dass der eine Flicken an meinem Schlauch wohl nicht ganz sauber drauf war und die Luft dort entwichen ist. Die Nachbarn schräg gegenüber beobachte ich schon eine Weile, ist doch der Mann stundenlang damit beschäftigt, sein Velo für einen Ausflug vorzubereiten, und ich frage mich, was er wohl vorhat. Etwas wehmütig nehme ich Abschied vom Grand Canyon, schön wars hier oben. Die versprochene Abfahrt lässt nicht lange auf sich warten – die Strasse ist wunderbar und man kann mal so richtig sausen lassen. Kurz nach Beginn schiesst der erwähnte Zeltplatznachbar an mir vorbei und wünscht mir eine gute Fahrt. Eine halbe Stunde später folgt dann seine Frau mit dem Auto... so gehts also auch ;-) Ich fahre so vor mich hin und bestaune die sich ändernde Landschaft, als ich von weitem auf der anderen Strassenseite etwas entdecke, das aussieht wie ein Tourenradler... ich bremse, werde langsamer und suche Blickkontakt, schliesslich ist der andere im Aufstieg und ich weiss nicht, ob er anhalten mag. Tut er aber und kommt geschwind auf meine Seite rüber – es ist Jack, ein Amerikaner, ich schätze in den 70ern, aber anscheinend fit wie ein Turnschuh. Er habe das Radeln vor vier Jahren für sich entdeckt, er mag es weil man endlich mal was sieht auf seinen Reisen. Er meinte wenn man mit den Kindern unterwegs ist ist man eigentlich viel zu beschäftigt um es geniessen zu können, und dann vom Auto aus ists sowieso anders... nun fährt er jedes Jahr kreuz und quer durch Amerika, immer eine andere Strecke. (wer mal reinschauen mag, kann das hier tun: Call To Adventure) Er ist auf dem Weg zum Canyon, kommt aber danach die gleiche Strecke wieder hinunter und fährt in die gleiche Richtung wie ich – vielleicht seh ich ihn also nochmal. Ich freue mich über die Begegnung und kann nur den Hut ziehen!


Es gibt ja Tage da bin ich froh & traurig zugleich, mit dem Rad unterwegs zu sein. Heute ist so einer. Als ich in Cameron an dem Trading Post ankommend die bisher schönste & grösste Sammlung an Kunsthandwerk von Navajo, Hopi und anderen sehe könnte ich mich dumm und dämlich kaufen. Besonders angetan haben es mir die Sandmalereien (mal bei google eingeben: Navajo sand paintings) und die Töpfereien (Hopi pottery / Navajo pottery). Da gibt es unglaublich schöne Stücke. Aber wohin damit auf dem Rad? Und dann gehts am Ende noch kaputt... also bleibt es beim Staunen und Bewundern.

 

Da ich südlich von Tuba City einen Canyon besuchen möchte auf den ich durch Zufall gestossen bin (und den kaum jemand kennt) und für den man aber ein Permit (Bewilligung) zum übernachten braucht mache ich mich nach einer Erfrischung kundig. Die Damen vom Trading Post können leider nicht helfen. Ich rufe beim Visitor Center an und die Dame bestätigt, dass ich ein Permit bräuchte, sagt mir aber auch, dass sie nur noch eine knappe Stunde geöffnet habe, da sie – als Navajo – Sommerzeit hätte, was die Unterkunft aber nicht hat. (mit solchen herrlichen Verwirrungen geht es weiter – in Tuba City gehört der nördliche Ortsteil den Navajo – mit Sommerzeit, der südliche Teil den Hopi – ohne Sommerzeit...). Da das Visitor Center an einer Kreuzung zwei Meilen oberhalb von der Unterkunft liegt schnappe ich mir das Velo und los gehts. Da die Strasse schön steil ist und dazu noch kräftige Windböen herrschen komme ich komplett verschwitzt im Visitor Center an. Als die Dame etwas fragend schaut sage ich ihr, dass ich mit dem Velo hochgefahren bin so viel Gegenwind hatte. Sie meint dazu nur, na wenn sie gewusst hätte dass ich mit dem Velo da bin wär sie später auch mit dem Permit vorbeigekommen! Herrlich. Auf die Idee wär ich nicht mal gekommen...!


Nach einem herzhaften Frühstück (Pancakes aus blauem Mais!) in dem schönen alten Trading Post mache ich mich also auf den Weg nach Tuba City. Als ich noch kurz bei der Post vorbeischaue laufe ich einer französischen Reisegruppe in die Arme, die es kaum fassen kann dass ich in dieser Gegend alleine mit dem Rad unterwegs bin. Ein Teil der Leute fängt spontan an zu klatschen! Mit dem Reiseleiter unterhalte ich mich noch einen Moment, er macht schon seit 10 Jahren Touren in dieser Region und gibt mir noch ein paar gute Tips.

Die Landschaft wird rot und röter, durchsetzt mit weissem Sand zwischendrin und vielen frischen grünen Tupfen von kleinen Büschen. Bis Tuba City fahre ich über zwei Mini-Pässe, die ich auch durchfahre, nicht ohne einen gewissen Stolz, dafür mit jeder Menge Schweiss ;-) Ärgern tu ich mich, dass die interessantesten Blümchen immer an Aufstiegen, in Kurven oder sonstigen ungünstigen Stellen zum Absteigen auftauchen... In Tuba City stärke ich mich (hierbei lerne ich noch einen Herrn kennen, der so beeindruckt ist dass er mir gleich Logis anbietet) und finde einen Zeltplatz für den nächsten Tag, und dann geht es weiter zum Coal Mine Canyon. Glücklicherweise kannte ich die Strecke vorher nicht, sonst hätte ich sie wohl – zumindest an diesem Tag – nicht gemacht. Immer wieder und wieder schraubt sich die Strasse in die Höhe. Bei einem der Aufstiege, der sich mehr als einen Kilometer lang mit mehr als 8% in die Höhe schiebt kapituliere ich (auch dank Gegenwind wieder mal) und schiebe. Ich bin ziemlich k.o. (ist es doch an diesem Tag auch recht heiss) als ich endlich am Abzweig (glücklicherweise hatte ich eine detaillierte Beschreibung aus dem Internet, sonst hätte ich es nicht gefunden, auch nicht mit der Karte vom Visitor Center! Es gibt weder Hinweisschilder noch sonst irgendwas...) ankomme. Dafür werde ich, nach einer kurzen Fahrt über eine „dirt road“, mit einem sagenhaften Blick auf den Canyon belohnt. Und das Beste ist – keine Menschenseele ist dort, ich habe den Canyon stundenlang für mich alleine, laufe stundenlang an der Kante hin und her, beobachte Vögel (Roadrunner! Eine Diné-Frau sagt mir später, das bringe Glück...) und betrachte die vielen Steinformationen. Zum Sonnenuntergang taucht noch ein Auto auf, bleibt aber lange Zeit von mir entfernt. Letztendlich kommt es dann doch noch angefahren, der Herr der aussteigt ist der, der mir Logis angeboten hatte... er war nun doch neugierig geworden, meinte es könne ja nicht sein, dass er noch nie hier war und sich jemand extra aus Europa mit dem Rad auf den Weg macht... er ist auch begeistert, fragt noch ob ich alles habe was ich brauche und fährt wieder davon. Lange überlege ich, wo ich das Zelt aufstellen soll, etwas unterhalb der Canyonkante scheint mir am besten, da man dort den permanenten Wind nicht so spürt. Andererseits brachte der Abend (das Sonnenuntergangslicht blieb mir verwehrt) auch ziemlich dunkle Wolken, und ich bin mir unsicher, ob es regnen wird oder nicht, was an dieser Stelle bei dem sandigen Boden und unterhalb der Kante mehr als ungünstig wäre. Irgendwann ringe ich mich dann aber dazu durch und es bleibt auch trocken. Was für ein Zeltplatz!

Am nächsten Morgen, nach einem Kampf mit dem Wind, der nun aus einer anderen Richtung kommt und mir beim Abbauen fast das Zelt wegweht, geht es wieder zurück nach Tuba City. Die Fahrt ist kurz und ich nutze den Tag Nachmittag zum Duschen und Wäsche waschen. Auch das sehr schön gemachte und interessante Navajo-Museum besuche ich noch. Im Restaurant neben dem Zeltplatz probiere ich dann noch Navajo-Frybread mit Bohnen, Paprika und Chili. Nicht schlecht! Da es am nachmittag anfängt zu regnen sitze ich den Rest des Tages in der Lobby des Hotels nebenan und widme mich dem Internet.

Lange Zeit habe ich überlegt, ob ich den Weg nach Page (am Lake Powell) oder zum Monument Valley oder beides wählen soll... ich habe mich nun vorerst für das Monument Valley entschieden, und werde von dort aus nach Norden Richtung Moab weiterfahren, und mir dann von dort aus einen Weg mach Osten zurück Richtung Bryce Canyon suchen. Unterwegs gibt es genug zu sehen und falls ich Lust habe, kann ich nach dem Bryce immer noch Richtung Page und dann zur Nordkante des Grand Canyon, welche jetzt leider noch geschlossen ist. Von Tuba City aus gibt es lange Zeit nichts, und wahrscheinlich bleibt mir am nächsten Tag nur das Wildcampen. Ich habe ja generell nichts dagegen, aber alleine ist mir dabei nicht immer so ganz wohl, und hier in der Prärie ist es wahrscheinlich auch nicht ganz so einfach einen Platz zu finden, an dem man nicht gesehen wird. Ausserdem ist -rein theoretisch- das Wildcampen im ganzen Reservat untersagt, auch wenn ich mich vorher bei der Dame die mir die Bewilligung für den Canyon gegeben hat informiert und abgesichert habe. Ein Problem ist einfach, dass direkt ein paar Meter neben der Strasse überall ein Zaun gezogen ist, ich müsste also ein Plätzchen zwischen Strasse und Zaun finden, das aber nicht einsehbar ist... so ganz gefällt mir der Gedanke nicht. Im Notfall vielleicht lieber zu einem Hause gehen und fragen, ob man bei ihnen im Garten das Zelt aufstellen darf, oder sich bei einer der zwei Tankstellen unterwegs erkundigen. Mal schauen. Mir ist es übrigens ein Rätsel, wie sich die Wetterberichte so irren können – ich hatte bei drei verschiedenen nachgeschaut, und alle haben gesagt, es gäbe den Rest der Woche Wind aus West/Südwest. Was habe ich den halben Tag? Wie man sich denken kann, Wind aus Ost/Nordost. Was sonst. Er ist glücklicherweise aber nicht so stark. Immerhin gibt es zwischendrin aber auch mal ein Stündchen, an dem gar kein Wind geht – herrlich. Dafür wird es immer mal nass. Ein Traum aller Radfahrer – Regen von der Sorte, dass es leicht anfängt zu tröpfeln, es Sonne und dunkle Wolken gleichzeitig gibt, und man jedes Mal überlegt, ob man denn nun die Regenjacke rausholen soll oder nicht, und man kann wetten, wenn man es tut hört es nach 5-10 Minuten wieder auf, tut man es aber nicht wird man schön nass werden. Herrlich. Das Spielchen ging also ein paar Mal so an diesem Tag. Interessant ist, wie man so fährt, wenn man kein bestimmtes Ziel vor Augen hat. Ich denke mir einfach, fahr soweit es geht, oder bis sich was Passendes findet. Die Temperaturen sind ja angenehm und die Strecke auch, auch wenn es den ganzen Tag bergauf geht, aber immer leicht und stetig, das lässt sich aushalten. Man setzt sich zum Teil gewisse Punkte auf der Karte und wenn man die erreicht denkt man, ach bis zum nächsten gehts sicher auch noch. Gegen fünf, halb sechs erreiche ich die zweite Tankstelle und habe bis hierhin schon fast doppelt so viel Strecke gemacht wie zum Teil an anderen Tagen. Ein etwas trauriger Platz mit jeder Menge streunenden Hunden, hier zu bleiben kommt für mich also schon mal nicht in Frage. Hier ist ein Abzweig, bei dem es zum Navajo National Monument geht, inklusive Campingplatz, den ich eigentlich erst einen Tag später ansteuern wollte. Nach einem Kaffee und einem Schokoriegel überlege ich lange, was ich mache. Eigentlich bin ich ziemlich k.o., andererseits sind es nur noch 10 Meilen / 16 Kilometer... die sollten doch eigentlich auch noch zu schaffen sein. Andere machen das doch auch. Und es ist noch eine Weile hell. Oder frage ich jemanden, ob er mich hochfahren kann? Eine Weile beobachte ich die Leute, entscheide mich aber immer dagegen. Plötzlich steht ein Fahrer eines Wohnmobils neben mir und fragt, ob ich das Wetter beobachte (da rechts von uns eine riesige Gewitterwand hängt). Ich erzähle ihm, wo ich hin will und dass ich aber recht müde bin und noch etwas ausruhe und hoffe, dass noch ein Platz auf dem Campground frei sei wenn ich dort ankomme. Und er meint nur, sie hätten dasselbe Ziel und auch Bedenken wegen des Platzes, deswegen machen sie sich lieber schnell auf den Weg und er würde mir einen Platz freihalten... er ist weg und ich steh einen Moment lang verdattert da und ärgere mich, dass ich ihn nicht einfach gefragt hab, ob ich mitkommen kann. Ja nu. Ich sammle also alle meine Kräfte und pedale los. 16 Kilometer... können ganz schön lang sein, wenn man müde ist und nochmal alles bergauf geht, steiler als sonst den ganzen Tag. Aber irgendwie schaffe ich es, auch wenn es seine Zeit braucht, ich komme noch im Hellen an und kann noch etwas essen und mein Zelt aufstellen, bevor ich komplett geschafft in den Schlafsack krieche. 103.74km zeigt der Tacho am Ende des Tages an, mit knapp 1100 Höhenmetern. Das ist glaube ich eine persönliche Bestleistung soweit, auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin ob wir im Pamir nicht auch mal so eine lange Strecke hatten. Gut zu wissen, dass man kann, wenn es sein muss, aber jeden Tag möchte ich so nicht unterwegs sein.

Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass es wirklich gut war, dass ich einen Tag eher hier gelandet war: ich möchte die kurzen Wanderungen, die hier angeboten werden machen, man kann in einen Canyon sehen und ein Mal hat man den Blick zu den Cliff Dwellings, den Fels-Behausungen der Anasazi aus dem 13. Jahrhundert. Wenigstens ein Mal während meiner Reise wollte ich so eine Stätte besuchen. Die Wanderungen mache ich gleich am Vormittag, was sich auch als gut herausstellt, denn den Rest des Tages regnet es immer wieder heftig, einmal mit Gewitter und allem drum und dran, inklusive Hagel. Da bin ich also froh, dass ich bei dem Wetter nicht unterwegs war, und bei einer späteren Ankunft hier hätte ich die Wanderungen vergessen können.

So spielt sich heute mal der Grossteil des Tages im Zelt ab, mit Lesen, Schreiben und Musik hören. Beim Geschirr waschen lerne ich eine Australierin kennen, die dann plötzlich sagt, ihr Mann hätte gestern Abend ein extrem schlechtes Gewissen gehabt – es war der Wohnwagenfahrer. Sie meinte, als sie dann unterwegs zum Zeltplatz waren meinte er er wär doch blöd, er hätte mir doch die Mitfahrt anbieten können... herrlich, wie die Dinge manchmal so spielen. Ich versichere ihr (& später ihm nochmal) dass alles in Ordnung ist und dass ich es ja geschafft habe und dass ich auch einfach den Mund hätte aufmachen können... Wieder etwas gelernt: wenn man etwas will einfach danach fragen. Und: im Notfall schafft man meist viel mehr als man denkt & sich zutraut. Das ist ja auch ein schöner Nebeneffekt bei solchen Reisen, dass man immer einiges über sich selber und die eigenen Grenzen kennenlernt.


Am nächsten Morgen nun, der Regen hat in der Nacht zwar nochmal kräftig zugeschlagen aber nun endlich aufgehört, geht es weiter Richtung Kayenta, dem letzten Stop vor dem Monument Valley. Da das (Aussen-)Zelt durch den sehr heftigen Regen der Nacht pitschenass ist (das Innenzelt habe ich nun getrennt abmontiert) und der Sand wie eine dicke Kruste daran festklebt entscheide ich mich für ein Motel, um alles zu waschen und zu trocknen. Die Fahrt geht recht schnell, ich bestaune die immer röter werdende Landschaft und ich finde unterwegs sogar etwas... den Rückenwind!! Oh, es gibt ihn, er ist kein Mythos und ich werde sofort Fan. Unglaublich, wie einfach und leicht man so die Strassen regelrecht entlangfliegt und jedes Hügelchen mit einer Leichtigkeit nimmt dass es nur so eine Freude ist. Dazu habe ich zum ersten Mal seit ich weiss gar nicht wie lang ein paar Kilometer am Stück eine wirklich und wahrhaftig gerade Strasse... In Kayenta habe ich auch noch Glück und erwische das letzte freie Zimmer... so viel Glück auf einmal an einem Tag? Da ist entweder der Roadrunner dran schuld oder es heisst, dass es danach wieder dicke kommt...


Der Wetterbericht sagt eigentlich für die ganze Woche kein schlechtes Wetter voraus und immer West/Südwestwind. Wie kommt es dann, dass ich fast den ganzen nächsten Tag, obwohl es die ganze Zeit Richtung Nord/Nordost geht wieder Gegenwind habe?! Wenn man Meteorologen verklagen könnte gäbe es wohl keine... Den Weg bis zum Monument Valley, welcher wohl wunderschön ist, kann ich leider nicht so geniessen wie gewünscht, da das Fahren hier recht anstrengend ist. Der Seitenstreifen ist nicht existent, und auch wenn nicht zu viel Verkehr herrscht so ist es wie es halt immer ist, wenn Autos kommen kommen sie von vorne und von hinten und dann wird es eng. Im Allgemeinen fahren ja wirklich alle sehr fair, aber ab und an gibt es halt auch andere... die einzigen, die grundsätzlich niemals bremsen und sich noch so eng an dir vorbeidrücken (wenn eben Gegenverkehr herrscht, ansonsten machen die meisten schon einen kleinen Bogen) sind die Reisebusse mit Touristengruppen – die haben halt wohl keine Zeit! Da habe ich ein paar Mal die Luft angehalten. Heute mache ich auch meine erste Erfahrung mit einem sogenannten „aggressive driver“ - er fängt an, mich ganz normal zu überholen, kommt dann aber seeehr nah, bremst mich noch absichtlich aus und macht irgendeine Geste. Glücklicherweise habe ich solche Erlebnisse nicht öfter (bisher), sonst verliert man wohl irgendwann die Lust. Aber man fährt nach solchen Erlebnissen doch eine Weile recht angespannt und konzentriert sich extrem auf Verkehr und Strasse, und alles andere kommt dann etwas zu kurz.

Irgendwann treffe ich dann am Monument Valley ein – diese riesigen Steinbrocken sind ja von Weitem schon eindrücklich, aber von Nahem ist es eben immer noch mal etwas anderes. Man fühlt sich als stünde man mitten in einem Western... ist ja auch klar. Ich musste schon schmunzeln, dass man beim Eintritt auch eine Liste der Filme in die Hand gedrückt bekommt, die alle hier gedreht wurden. Bei schönstem Wetter, blauer Himmel mit ein paar Schmuckwolken und knapp 30 Grad, baue ich mein Zelt auf diesem genial gelegenen Campingplatz, direkt gegenüber drei dieser Steinriesen, auf. Ich schaue mich erst einmal in Ruhe um und erkunde die Gegend. Als ich zurückkomme schon der erste Schreck – anscheinend hat eine dieser heftigen Windböen mein Zelt komplett – mit Inhalt, d.h. allen meinen Taschen usw, sind ja doch einige Kilo – umgekippt. Anscheinend hat jemand es wieder hingestellt, ich bemerke es zuerst nur da der Eingang gegenüber der Seite ist wie ich es aufgestellt hatte, und die Taschen alle durcheinandergewirbelt sind. Später beim Abbau finde ich auch noch Spuren, wie drei verbogene Zeltstangen zB. Ich verstelle das Zelt und befestige es zudem am liegenden Velo mit einer extra Schnur. Ausserdem suche ich mir Steine und benutze diese ebenfalls zusätzlich zum Zelt absichern. Der Wind wird immer heftiger und entwickelt sich zum Sturm – draussen sein macht so keinen Spass mehr. Drinnen auch nicht, wie ich kurz danach herausfinde – mein Mesh, ein feinmaschiges Innenzelt, das mich bisher nur begeistert hat (zB lüftet es gut durch wenn es heiss ist, wenn es kalt ist gibt es im Zelt kein Kondenswasser), wird mir nun zum Verhängnis – der Sand ist so fein, dass er durch die Maschen hindurchgeht, da nützt auch das Überzelt nix, der Wind wirbelt alles so auf dass der Sand von allen Seiten kommt.. pünktlich zum Sonnenuntergang ist der Spuk für eine knappe halbe Stunde vorbei, bevor es dann durch die halbe Nacht weitergeht..


Am nächsten Morgen ist das Wetter für ein paar Stunden halbwegs stabil und ich melde mich für eine Tour an, da ich doch wirklich gern zwischen den Steinriesen hin- und herfahren möchte und mich aber nach diversen Gesprächen dazu entschieden habe, nicht mit meinem Rad da runter zu gehen (auch, weil ich das Rad nicht als „Zeltstabilisator“ entfernen möchte, da erneut heftige Winde angesagt sind).

Ich habe Glück, die anderen Leute die sich angemeldet haben tauchen nicht auf und somit bekomme ich eine „Privatfahrt“. Somit löchere ich den Fahrer, ein Navajo, mit allen möglichen Fragen. Die Fahrt ist wunderbar, auch wenn es mit der Zeit wieder zuzieht, anfängt zu stürmen und am Ende auch regnet (leider nicht genug um den Sand vom Fliegen abzuhalten...). Mein Zelt steht glücklicherweise noch, der Wind wird aber schnell so heftig dass man sich draussen kaum noch aufhalten kann, und eine Art Aufenthaltsraum oder Ähnliches gibt es leider nicht, also hocke ich im Zelt... die kleine Wanderung die ich noch machen wollte kann ich jedenfalls vergessen. Ist schon dämlich, wenn man stundenlang im Zelt hockt und drauf wartet, dass der Wind nachlässt... etwas machen kann man mit dem permanent hereinfliegenden Sand ja auch nicht. Als der Hunger immer grösser wird „muss“ ich dann auch noch ins Restaurant, da das Kochen so unmöglich ist und ich das meiste ungekochte inzwischen aufgegessen habe. Am Nachmittag sackt dann auch ganz plötzlich noch die Temperatur ab – es wird merklich kälter und vor allem auch der Wind wird eisekalt. Irgendwann in der Nacht lässt der Wind dann wenigstens etwas nach, aber es bleibt eisekalt. Da erfahrungsgemäss meistens am frühen Morgen der wenigste Wind herrscht stelle ich mir den Wecker auf 5 Uhr, um genug Zeit zu haben das Zelt in Ruhe abzubauen und das Velo zu reinigen – schliesslich ist auch das voller Sand, und vor allem Kette und Kettenblätter kann ich so nicht benutzen. Auf das Duschen muss ich jedoch verzichten (hätt ichs mal eher gemacht...), ohne Föhn und mit dem eisigen Wind kommt das sonst nicht gut.

Irgendwann habe ich alles eingepackt und bin parat, aber schon ziemlich durchgefroren. Im Restaurant will ich mir einen Kaffee holen, dieses hat jedoch leider noch geschlossen. Also los... mit Langarmpulli, 2 Jacken, Handschuhen und Kappe geht es los. Bis ich nach den ersten Kilometern an der ersten Kreuzung bin spüre ich meine Finger kaum noch. So geht das nicht. Ich fahre statt rechts abzubiegen weiter geradeaus und hoffe, dass es beim Gouldings Trading Post Frühstück und Kaffee gibt. Gibt es! Ich bestelle mir ein grosses Omelette & Pancakes & Kaffee, und danach ist mir wenigstens wieder warm.

Endlich mache ich mich auf den Weg, die Temperaturen sind glücklicherweise langsam angestiegen und die Sonne konnte etwas an Kraft zulegen – so lässt es sich zumindest aushalten. Ich lasse Arizona hinter mir und bin nun in Utah! Wie aufregend und wunderschön und abwechslungsreich Arizona doch gewesen ist... anstrengend natürlich auch, aber das gehört nunmal dazu. Es hat mich auf jeden Fall überzeugt :-)

Die ersten 10 Kilometer geht es erstmal nur bergauf, die Strecke bringt aber einige schöne Aussichten zurück auf die Steinriesen, und die Aufstiege helfen beim Warmwerden... Auch die obliatorische Stelle „Forrest Gump“-Strasse (wer den Film nicht kennt wird dies nicht verstehen, einfach mal Forrest Gump & Monument Valley googeln) schreit nach einem Fotostop, auch wenn es inzwischen wieder recht bewölkt ist. Ich bin den ganzen Tag aber recht k.o. von den Ereignissen der letzten Tage und bin recht müde.

Bald erreiche ich Mexikan Hat, ein Ort der nach einem Stein benannt ist der eben wie ein Mexikanischer Hut ausschaut. Man überquert hier den San Juan Fluss, der an diesem Tag recht belebt ist, jede Menge Boote aller Art schwimmen und paddeln an mir vorüber. Viele rufen und winken mir zu, es ist ein grosses Hallo. Da der Zeltplatz in Mexikan Hat, bei dem ich eigentlich bleiben wollte, nicht existent ist, ringe ich mich doch dazu durch zum Gooseneck State Park weiterzuradeln, er ist nicht weit entfernt aber die Stichstrasse dorthin verlangt mir nochmal einiges ab. Wind wieder mal inklusive... Gelohnt hat es sich aber allemal, sieht man doch von hier oben, wie sich der Fluss durch die Landschaft schlängelt und sich tief in sie eingegraben hat. Ich laufe eine Weile hin und her und unterhalte mich mit verschiedenen Leuten, unter anderem mit einer relativ jungen chinesischen Individualtouristin (sie ist mit einer Freundin unterwegs, die beiden haben sich zufällig in Australien kennengelernt und reisen seitdem zusammen...!), wir sind gegenseitig voneinander begeistert. Später traue ich plötzlich meinen Augen nicht – ich sehe einen kleinen Reisebus mit einem ZH-Kennzeichen – Schweizer! Es dauert nicht lang und ich lerne die beiden Insassen kenne, es sind Jan&Marita, auf dreijähriger Hochzeitsreise... sie sind gerade am Anfang und eigentlich erst auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Startpunkt – Alaska. Von dort geht aus geht es entlang der Panamericana bis zum südlichsten Zipfel Südamerikas (http://www.majanta.net/). Gesprächsthemen gibt es genug, und da Marita heute auch noch Geburtstag hat werde ich zu Kaffee & Kuchen eingeladen. Die beiden haben mich definitiv aus meinem Tief gerettet... :-) Hier oben ist es natürlich auch schön ruhig und es geht – entgegen der Prognosen vom Ranger – kein Wind, und trocken bleibt es auch. Ich schlafe wie ein Stein.


Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Norden. Die Landschaft ist schön abwechslungsreich, durch rote und grüne Hügel, immer wieder tun sich links und rechts interessante Steinformationen auf. Allzu viel Verkehr ist auch nicht unterwegs, glücklicherweise. Einen fiesen Hügel gibt es unterwegs, und da mir hier auch noch der volle Gegenwind entgegenschlägt gebe ich mich geschlagen und schiebe. Dafür ist die Sicht wie immer wunderbar. Bald danach erreiche ich Bluff, wo ich mir einen Campingplatz suche und auch fündig werde. Bluff macht einen sehr angenehmen Eindruck, man sieht, dass die Leute Sorge zu ihren Häusern und Grundstücken haben. Nicht dass alles so geschniegelt ist wie bei uns, aber hier zB sieht man wieder Blumen vor Türen und Fenstern, es liegt weniger Müll herum und es wird viel dekoriert. Ein krasser Gegensatz zu Nord-Arizona, speziell zum Indianer-Reservat.

Der Zeltplatz liegt nicht weit vom Fluss entfernt und hat zu Abwechslung mal wieder Rasen. Schön :-) Nach einem Gang zum Supermarkt und dem checken der Emails (oh ja, auch hier mal wieder ein Zeltplatz mit Wifi... herrlich) geht es ab unter die Dusche. Die hatte ich am letzten Tag im Monument Valley aufgrund des eiskalten Windes (und nicht vorhandener Föhne) sein lassen und kann sie nun gut gebrauchen. Es gibt manchmal nicht besseres an so einem Tag als den Gang unter die Dusche... wie ich wieder herauskomme sehe ich draussen ein Velo, viele verstreute Taschen und einen Mann der dabei ist sein Zelt auszustellen – es ist Jack!! Der ältere Mann, den ich auf dem Weg herab vom Grand Canyon bereits getroffen habe. Was für ein Zufall!! Wir sind zwar irgendwie in Kontakt geblieben, aber er war immer ein bis zwei Tag hinter mir. Und dass er nun ausgerechnet auf dem gleichen (es gibt einige hier in Bluff) Zeltplatz gelandet ist... die Freude auf beiden Seiten ist gross und es gibt natürlich eine Menge zu erzählen. Nachdem auch Jack geduscht & alles aufgebaut hat beschliessen wir, zur Feier des Tages ins nahe gelegene Steakhouse zu gehen und uns zudem ein Bierchen zu genehmigen. Schliesslich ist ja auch noch Sonntag ;-) Der Mann kann Geschichten erzählen... Jack lässt mich endgültig wieder aufleben und ich bin wieder frohen Mutes.

Da wir – leider nur für ein kleines Stück – die gleiche Strecke haben beschliessen wir, am nächsten Morgen gemeinsam zu starten. Aber erst nach einem ausgiebigen Frühstück (das beste überhaupt das ich bisher hier hatte)... wir freuen uns beide über die Gesellschaft und dazu über den perfekten Tag – am Morgen blauer Himmel, kein Wind (das sollte auch bis am Nachmittag so bleiben) und eine Strasse, die zwar stetig steigt, aber nie unangenehm wird. Dazu ein Seitenstreifen, der teilweise breiter ist als die Fahrspur selber! Wir können immer wieder nebeneinander fahren. Ein perfekter Radeltag. Mit den Gesprächen unterwegs gehen die Stunden rum wie nix und wir sind bald in Blanding, wo ich mir einen Campingplatz reserviert habe. Jack fährt noch weiter bis Monticello, er hat dort etwas abgemacht und fährt von hier aus dann am nächsten Tag weiter gen Osten, während es für mich Richtung Norden weitergeht. Jack und mir fällt der Abschied nicht leicht, wird man sich doch sehr schnell vertraut wenn man so zusammen durch die Gegend pedalt.


Nach einer herrlichen Dusche, frisch gewaschener Wäsche und einer ruhigen Nacht geht es weiter. Ich habe weniger Höhenmeter zu bewältigen als am Tag vorher, jedoch fällt die Strecke heute ganz anders aus, es gibt laaaang gezogene Hügel mit scheinbar endlosen Steigungen, so dass man am Ende das Gefühl hat man hatte viel mehr zu tun. Wenigstens bekomme ich heute ab und an einen Schub Rückenwind zu spüren. Ich bin nun in Monticello, dem gleichen Ort wie Jack einen Tag vorher, und er hat für mich bei seinem Gastgeber eine Übernachtungsmöglichkeit organisiert. Das ganze läuft über die Organisation „Warmshowers“ (www.warmshowers.org), initiiert von Tourenradlern für Tourenradler – ganz normale Leute öffnen ihre Türen für vorbeiziehende Tourenradler und bieten ihnen einen Platz zum Übernachten (entweder ein Zimmer oder zB den Garten zum Zelt aufstellen), und eben eine warme Dusche :-) Manchmal, wie in meinem Fall, sogar das Essen. Brian, mein „Host“, schrieb mir vorher dass sein Haus nicht abgeschlossen ist und ich sobald ich angekommen bin einfach hineingehen und mich wie zu Hause fühlen soll. Ungaublich! Als er von der Arbeit nach Hause kommt sitzen wir eine Weile gemütlich auf der Terrasse und trinken ein Bier (ein dunkles aus Oregon! Wunderbar), danach bereitet er mir noch ein wunderbares Abendessen (Lachs & Quinoa!). Brian ist ein sehr interessanter und offener Typ und so fällt es leicht, Gesprächstheme zu finden. Ich bin froh, so meine erste Warmshowers-Erfahrung gemacht zu haben (danke Jack!), sodass die Hemmschwelle weg ist, und ich hoffe dieses Angebot (ist schliesslich auch alles kostenlos...) nun öfter einmal nutzen zu können.


Weiter geht es, die nächsten zwei Nächte – bevor ich dann in Moab bin, das Abenteurer&Mountainbiker-Mekka weit und breit – möchte ich auf kleinen Zeltplätzen abseits der Strassen verbringen. Das Wetter lässt sich gut an, und da es ein paar Hundert Höhenmeter bergab geht läuft die Fahrt wie von alleine. Immer wieder gibt es interessante Steinformationen zu sehen hier im Red-Rock-Country. Am frühen Nachmittag erreiche ich den Zeltplatz, der wunderschön am Rande eines grossen Sanstein-Monolithen gelegen ist und als Startpunkt zum Erkunden des Canyonlands-Nationalparks dient. Da die Entfernungen aber recht gross sind habe ich nicht vor, zu den Aussichtspunkten zu fahren. Ich beobachte viele Vögel und Echsen, verschiedene Hörnchen und Hasen und es gibt jede Menge Blumen zu entdecken. Ausserdem gibt es einen zwar kurzen aber sehr schön gemachten Weg, der verschiedene Pflanzen der Gegend erläutert. Mit all diesen Beobachtungen und vielen interessanten Gesprächen mit meinen verschiedenen Zeltplatznachbarn (ein paar von ihnen geben mir ihre Adressen, falls ich auf meiner Tour bei ihnen vorbeikomme... die Leute hier sind einfach unglaublich) ist der Nachmittag schnell vorüber und ich freue mich auf eine wunderbar ruhige Nacht abseits der Strassen. Der Sternenhimmel hier draussen ist sicher auch fantastisch... (ist er auch ;-) )


Am nächsten Morgen packe ich mal wieder alles zusammen und mache mich bereit zur Weiterfahrt, beobachte jedoch besorgt den Himmel, ist er doch ziemlich dunkel und es gibt mal wieder rechte Windböen. Ich will noch schnell etwas Wasser holen als die Frau des Campground-Host-Pärchens (das sind Camper die für Wochen oder Monate an einem bestimmten Zeltplatz sind und sich um alles etwas kümmern, wie zB die Toiletten) mich zu einem Kaffee einlädt, den ich auch nicht ablehne. Während ich bei ihnen (Karen und Don) im Wohnwagen sitze wird es draussen immer dunkler und dunkler und es dauert nicht lang, bis ein Blitz nach dem anderen durch die Gegend zuckt. Bin ich froh, nicht auf dem Rad zu sitzen! Da der Wetterbericht nicht wirklich eine Besserung verspricht beschliesse ich, noch eine Nacht hier zu bleiben. Bei den Gesprächen (& dem guten Kaffee) mit Karen & Don vergehen die Stunden wie im Flug. In einer Regenpause stelle ich schnell mein Zelt wieder auf, und der Himmel klart nach dem Mittag ein wenig auf. Karen & Don kommen vorbei und fragen, ob ich Zeit hätte...mein Terminplan ist frei und so nehmen sie mich mit in ihr Auto und entführen mich auf einen wunderbaren Trip. Zuerst geht es zum Needles Aussichtspunkt, der Himmel ist zwar recht verhangen aber es gibt zwischendrin immer wieder eine Lücke, um die wunderbare Aussicht zu geniessen. Anschliessend weiter zum Anticline Aussichtspunkt, unterwegs sehen wir Gabelhornantilopen! Wunderschöne Tiere. Der Aussichtspunkt ist unglaublich und wir können bis Moab und Arches Nationalpark sehen. Im Tal gibt es eine Kalisalzmine, und durch den verhangenen Himmel kommen die Blautöne unglaublich zur Geltung. Was für Farben! Don fragt mich, ob ich schonmal was von Geocaching gehört hab und ich bejahe und sage, dass ich das schon immer mal ausprobieren wollte. Was für ein Zufall, den hier in der Nähe soll sich einer der Punkte befinden! Er gibt mir die Koordinaten für mein GPS-Gerät und los gehts... er entdeckt den Punkt zwar zuerst, verrät es mir aber nicht und überlässt mir die Finder-Freude =) oh ich weiss schon was mir da blüht, wenn ich einmal damit anfange kann ich sicher nicht wieder aufhören... wir fahren weiter durch die Gegend, erzählend und lachend, und nun wollen sie mir noch ein Geheimnis zeigen... ich bin gespannt. Es geht lange über einen Sandweg hinauf und hinab, vorbei an vielen Kühen und Kälbern, bis wir irgendwann vor einem Felsen ankommen... es ist ein Wohnraum! Und, auch zu ihrer Überraschung, ist sogar jemand darin: ein waschechter Cowboy! Wir haben ihn zwar geweckt (spätnachmittags...), er ist aber sehr nett und erzählt uns über seine Arbeit mit den Rindern. Etwas weiter weg gibt es noch so eine, etwas grössere Behausung mit nach seinen Worten „echten“ (real) Cowboys, er meint er wär noch ein Cowboy im Training =) er hat jedenfalls schon mal die passenden Sachen, Hut & Stiefel mit Sporen usw. Kaum vorstellbar, dass er seit Januar hier unten haust... aber er scheint seinen Job und das ganze drum & dran zu mögen, und das ist ja die Hauptsache :-) Für mich ist es jedenfalls ein Erlebnis! Irgendwie denkt man ja, dass es sowas in der Art „in echt“ gar nicht mehr gibt. Und den Namen hat dieser Ort, Peaceful Place, auch zu Recht erhalten.

Als Letztes besuchen wir noch den „Jail(house) Rock“, ein grosser Sandstein mit einem riesigen Loch obendrin. Es gibt zwei Legenden dazu: die eine besagt, dass damals die Sheriffs die Gefangenen hier „aufbewahrt“ haben bis ein Transport zu einem richtigen Gefängnis organisiert war, die andere, dass ein Mann hier seine Frau „zum Schutz“ jedes Mal in das mehrere Meter tiefe Loch beförderte wenn er in die Stadt ging. Egal welche Story stimmt – lustig wars für die betroffenen Personen sicher nicht.

Hui, was für ein aufregender Tag! Ich weiss gar nicht, wie ich den beiden jemals danken soll. Die Fahrt und die Gesellschaft waren wunderbar und ich hatte eine tolle Zeit. DAS sind die Tage, die einem am Ende besonders im Gedächtnis bleiben, weil sie so unerwartet und speziell sind.


Am nächsten Morgen soll es nun nach Moab gehen – das Wetter ist aber leider immer noch unverändert. Don&Karen haben mir am Abend vorher bereits angeboten, mich nach Moab zu fahren, falls das Wetter nicht besser sein sollte. Die ganze Nacht durch hat es geblitzt wie verrückt... ich sage also nicht nein zu dem Angebot, mir ist auch recht kalt die ganze Zeit (es war auch nicht viel über Null..) und ausserdem mag ich mich von den beiden gar nicht trennen! Da gewöhnt man sich wochenlang ans Alleinsein und dann trifft man solche netten Menschen und man will eigentlich gar nicht mehr weiterziehen... wir fahren also nach Moab, unterwegs halten wir noch beim „Hole N The Rock“ (ein Ehepaar hatte hier über x Jahre ein Diner und eine ganze Wohnung in den Stein gehauen und gesprengt...) und schauen uns all die verrückten Sammler- und Kunststücke an, die es hier zu sehen gibt.

In Moab gehen wir noch zusammen Mittag essen und dann heisst es Abschied nehmen... was wirklich nicht leicht fällt. Was für wundervolle Menschen ich doch in den letzten Tagen kennenlernen durfte! Nun werde ich ein paar Tage in Moab bleiben. Zum einen merke ich, dass ich mal ein paar Tage am gleichen Ort sein möchte & muss, zum anderen kann ich von hier aus (hoffentlich) ein paar schöne Tagestouren machen und muss mir mal wieder über meine weitere Route klar werden.


Einen Applaus an alle, die bis hierhin durchgehalten haben! ;-) Das Fertigstellen dieses Artikels, besonders das Hochladen und Beschriften der Bilder (alle Texte waren plötzlich wieder verschwunden...), hat mich diesmal fast zur Verzweiflung getrieben. Puh. 

 

 

Bilder sind es auch sehr viele, obwohl ich versucht habe mich zu beschränken... ich habe deswegen einige Collagen erstellt, sonst würde die ja kein Mensch alle durchschauen. Die Blumen und Pflanzen habe ich fast alle ans Ende gepackt, wen das nicht interessiert kann sie also gut auslassen ;-) 

 


Bilder (anklicken zum Vergrössern & für mehr Info) / click to enlarge and for more information

(ein zweites Mal anklicken (wenn die Lupe erscheint) um die Bilder nochmals zu vergrössern / click a second time to enlarge again)

Kommentare: 15 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Lothar (Sonntag, 17 Mai 2015 09:16)

    Hallo Katrin,
    absolut super Dein Bericht von den letzten Tagen! Vielen Dank für die tollen Geschichten und die herrlichen Aufnahmen. Für mich ist das, als wäre ich selbst für ein paar Minuten im "Wilden Westen". :-)
    (Der Film "Spiel mir das Lied vom Tod" lief übrigens diese Woche hier auf Servus TV ;-).)

    Weiterhin viel Spaß auf Deiner Tour und beste Grüße
    Lothar

  • #2

    Katrin (Sonntag, 17 Mai 2015 09:23)

    Hallo Katrin,
    was für ein wunderschöner Bericht. Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Spaß, eine großartige Zeit und viele nette Bekanntschaften.
    Liebe Grüße,
    Katrin

  • #3

    anselm (Sonntag, 17 Mai 2015 10:58)

    so spannend mit dir zu reisen, katrin! als ich mit dem lesen und dem betrachten der bilder fertig war, stellte ich fest, dass der kaffee kalt war....
    als radfahrerin bist du dem wetter extrem ausgesetzt und erlebst viele strapazen. das war bei uns 1976 nicht so. ich holte mein tagebuch hervor und begann von der reise im rv zu lesen.
    ich wünsche dir weiterhin viel mut, kraft und vergnügen.
    mit viel achtung und herzlichem gruss ;~)a

  • #4

    The Muppets (Sonntag, 17 Mai 2015 11:52)

    Kann ein Sonntagmorgen schöner beginnen als mit einem packendem Reisebericht von dir? Wir könnten rundum alles vergessen, wenn wir das Erlebte lesen, uns danach deine grossartigen Bilder anschauen... und dabei tiefen Respekt empfinden und uns riesig für dich (und natürlich auch mit dir) freuen!
    Viel Glück weiterhin :-)

  • #5

    paul menz (Sonntag, 17 Mai 2015 12:22)

    Liebe Katrin
    Dein interessanter Reisebericht begeistert uns, und all die herrlichen Bilder, die du uns schenkst!
    Mit Bewunderung geniessen wir deine grossartige Reise und sind uns bewusst, was du alles für Strapazen auf dich nimmst, welch schöne Erlebnisse (Begegnungen) du aber auch erfahren darfst!
    Weiterhin alles Gute und liebe Grüsse
    Lisbeth und Paul aus Arlesheim

  • #6

    Kurt (Sonntag, 17 Mai 2015 19:14)

    Liebe Katrin
    Du schreibst Deine Berichte neuerdings also nur noch in einer Kurzfassung :-)
    Spass beiseite. Dein Bericht ist so grossartig wie die Fotos, die Du von dieser fantastischen Reise zeigst. Und ich staune, dass Du die Zeit und Energie hast, nebst all dem, was Du auf und neben dem Velo bewältigst und erlebst, fast einen halben Roman zu schreiben und die Bilder auch noch super zu bearbeiten. Aber mich freut's und meine liebe Frau auch, die Dir gelegentlich auch noch einen Kommentar zukommen lassen will.
    Auf Umwegen hat uns auch noch ein Gruss erreicht, für den wir herzlich danken. Christine und ich wünschen Dir weiterhin gute Fahrt. Geniesse Dein Abenteuer und bleib gesund.
    Liebe Grüsse, Kurt

  • #7

    Andy Allen (Sonntag, 17 Mai 2015 20:02)

    Hello Heidi (not sure why others here are calling you Katrin - you'll always be Daffodil to your friends in Alabama!) - what a wonderful adventure it sounds like you are having, and it is inspiring to read of the kinds of physical and emotional ups and downs that you are experiencing. My hat is off to you for having the spirit to not only pursue such an adventure but also for having the gift to be able to share the story so eloquently with others, and your photography is amazing.

    Safe travels, and I hope you find more tailwinds in the next part of your journey.

  • #8

    Don/Bob & Karen (Sonntag, 17 Mai 2015 22:27)

    Who has the shortest name? Katrin or Don - no, Bob. What we do to place an order at a hamburger joint in Moab. :-) We thoroughly enjoyed our time spent with you, Katrin. We will follow your blog and make sure you are safe and taken care of along the way. We were able to translate your blog using Google Translate and love your beautiful photography. We especially the photos displayed in a collage. Who knows - we may see you again before you leave Moab, if you busy schedule were to allow time for lunch.

  • #9

    mark (Montag, 18 Mai 2015 12:49)

    hi daffodil, i will follow andys lead and call you by your new name "daffodil".........they are are as pretty and fresh as you are !!. you have a wonderful gift as a photographer, your work is tastefully done. loved the pictures of hole in the rock..........took my daughter there a couple of times. she loved the little tour of the cave home. stay safe and have fun. mark

  • #10

    Nasenbär (Dienstag, 19 Mai 2015 21:44)

    Hoi du :-)
    Erst mal ein riesiges Kompliment für die tolle Lektüre und die tollen Bilder ! Hab alles gelesen und angeschaut... Ja da bekomm ich ganz starken "itchy feet" ;-) Mach weiter sooo!!! , bleib gesund und motiviert ! Möge der Wind deine Rad-Drehzahl positiv beeinflussen..

    Freu mich auf den nächsten Eintrag ! :-)

    Chers salüds
    Gian-Andrea

  • #11

    Alice (Donnerstag, 21 Mai 2015 20:33)

    Liebe Katrin,
    mit grosser Freude und nicht weniger Spannung haben wir deinen laaangen Reisebereicht gelesen. Glaube mir, ich benötigte (trotz der Länge) nicht vier Tage zum Lesen!
    Deinen Durchhaltewillen, deine starke Puste, besonders im Gegenwind, bewundere ich sehr. Ja, der Wettergott ist dir wirklich nicht nur gut gesinnt.
    Die netten Begegnungen die du auf dieser Tour erfahren darfst, freuen uns sehr für dich - sicher wirst du all diese Menschen in deinem Herzen mit nach Hause nehmen.
    Danke dir für diesen interessanten Reisebericht, den du wahrscheinlich meist sehr müde und erschöpft geschrieben hast.
    Deine vielen Bilder sind traumhaft schön, Katrin.
    Wir wünschen dir weiterhin eine gute Fahrt, "geb der Sorg!"
    "Vieli liebi Grüess us d'r Oschtschwiiz - Alice ond Felix

  • #12

    Doreen (Donnerstag, 21 Mai 2015 23:37)

    Da meint man, die unglaublich tollen Landschaften müssten sich mittlerweile - da du sie schon wochenlang durchfährst - bestimmt erschöpft haben, mindestens wären sie wohl unübertrefflich. Weit gefehlt, eine Felsformation ist beeindruckender als die andere! Danke dass du über deine Erlebnisse und Empfindungen berichtest, und natürlich für die wunderschönen Fotos. Ich hoffe für dich auf viel häufigeren Rückenwind!

    Liebe Grüße aus Bulgarien
    Doreen

  • #13

    mark (Mittwoch, 27 Mai 2015 12:07)

    hi daffodil, hoping to see more beautiful pictures of your trip this morning, but it hasnt been updated lately.............i guess theres just too much to see !!! stay safe, mark

  • #14

    Andi (Mittwoch, 27 Mai 2015 20:33)

    Hallo Katrin
    Toller Reisebericht und wie immer grandiose Bilder.
    Ich wünsche dir weiter eine erlebnisreiche Tour.
    Freue mich auch schon riesig auf meine. Sind ja auch nur noch acht Wochen ;-)
    Liebe Grüße aus Hessen
    Andi

  • #15

    Micha (Samstag, 06 Juni 2015 19:22)

    Liebe Katrin,

    dank deines Newsletters habe ich diesen Eintrag natürlich schon kurz nach seiner Veröffentlichung gelesen, aber irgendwie komme ich erst jetzt zum Kommentieren ...
    Jedenfalls danke auch ich dir für deinen ausführlichen Text - incl. Kaffee & Kuchen! ;-) Er ist dir wieder sehr gut gelungen! Ich finde deine Reisebeschreibungen immer sehr interessant, aber noch viel schöner finde ich all die Schilderungen all der spannenden zwischenmenschlichen Begegnungen, die du unterwegs hast! Ich freue mich sehr für dich, dass du so viele nette Leute kennenlernst - und ich freue mich für diese Leute, dass sie in den Genuss kommen, dich kennenzulernen und dir unterwegs etwas Gutes zu tun! Die Kommentare zeigen ja sehr deutlich, dass sie das genauso sehen! Na, mein Reden seit ... du weißt schon! :-D

    Alles Liebe,

    Micha

Twenty years from now you will be more disappointed by the things you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines, sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.

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